kolumne:
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Na und - was ist falsch daran…?

 - Manifest eines Fernsehkindes -

Wer kennt es nicht? Man war ein Kind und es überkam einen die übliche Langweile. Was tat man?
Man ging zur Mutter und fragte um Rat. Eine pädagogisch wertvolle Auswahl an Möglichkeiten wurde einem dargeboten: “Du könntest raus gehen und spielen oder zum Beispiel was malen oder mach was für die Schule, oder…“, und dann kam es. Man ahnte es schon und bereute die Frage je gestellt zu haben. „Lies doch ein BUCH“.

Ein Buch? Na super! Ich war ein Kind der Neunziger. Die Fernsehgeneration. Die Mtv-Generation. Wenn ich was las, dann entweder die Fernsehzeitschrift oder heimlich den Playboy von Papi. Das Leben musste sich vor meinen Augen abspielen und nicht in meiner Fantasie. Wenn Fantasie in einem Gerät gesteckt hätte, das mit Strom oder Batterien funktionierte, wie ein Game Boy, dann hätte ich sie benutzt und immer dabei gehabt. Aber mir selbst aus Worten und Bildern auf Papier eine Welt zu erschaffen, war mir zwar nicht fremd, denn ich hatte ja den Playboy, aber insgesamt bei allem andern einfach zu anstrengend.

Da mir also meine Mutter nichts Interessanteres vorgeben konnte, was meinem Leben die Langeweile nahm, widmete ich mich fortan ausgiebig meinem ersten besten Freund – dem Fernseher.
Ich verbrachte Stunden, Tage, Wochen, Jahre davor. Wie waren unzertrennlich und während ich diese Zeilen hier niederbringe, läuft er noch immer. Mein Freund.

Aber immer wieder versuchte man uns im Auftrag der Pädagogik mit Lügen zu entzweien.
Hör auf Fern zu sehen, du bekommst noch viereckige Augen! Geh nicht so nah ran; deine Augen werden schlecht! Wenn du den ganzen Tag Fern siehst, wirst du verblöden!

Und ich entgegnete ihnen: „Na und - was ist falsch daran Fern zusehen? Ich kauf mir ne Brille, wenn die Augen schlecht werden, zum bedienen eines Fernsehers, brauch ich kein Abitur und wenn meine Augen viereckig werden, dann hoffentlich im 16:9 Format, damit die blöden schwarzen Balken verschwinden.“ Bis heute ist keine ihrer pädagogischen Lügen wahr geworden.

Und so wurde ich zu dem, was ich heute bin – ein Fernsehkind. Ich lernte Zählen von  der Sesamstrasse, Basteln von MacGyver, von Rocky mich zu prügeln, und Emanuelle machte mich zum Mann. Die Lehrer meiner Jugend sind auch heute noch für mich da und mein Fernseher und ich sind immer noch die besten Kumpel.

Also schrei ich es euch entgegen:
Lasst mir meine Glotze und behaltet eure Bücher. Die guten werden sowieso verfilmt.
Ich verachte Literatur und brauch keine sozialen Kontakte.
Das Fernsehen ist mein Fenster zur Welt. Der Film meine Fantasie. Der Porno meine Geliebte.
Ich bin ein Produkt des allmächtigen TV. Dies ist mein MANIFEST!

 

- www.Siggiswelt.de - Die Kolumne aus dem linken Jugendmagazin - ROTzfrech